Urlaub von Meinungen, bitte.
Ich bin müde.
Nicht nur körperlich – auch innerlich. Müde von Meinungen.
Von den eigenen. Von den fremden. Von dem Gefühl, zu allem etwas sagen zu müssen.
Am Wochenende dachte ich:
„Gibt’s eigentlich so was wie Urlaub vom Meinunghabenmüssen? Wenn ja, buche ich sofort.“
Stattdessen übe ich gerade etwas anderes:
Annehmen, was ist.
Nicht bewerten. Nicht zerdenken. Nicht sofort in Widerstand gehen.
Einer meiner liebsten Sätze begleitet mich dabei:
„Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“
(Erich Fried)
Dieser Satz ist für mich wie eine innere Hand, die sich mir entgegenstreckt:
Komm, setz dich kurz hin. Atme. Lass gut sein.
– Wenn ich mich aufrege über etwas, das ich nicht ändern kann: Es ist, was es ist.
– Wenn ich das Verhalten eines Menschen nicht verstehe: Es ist, was es ist.
– Wenn meine Mäkel-Olga wieder die Peitsche schwingt: Es ist, was es ist.
– Wenn mein Knie schmerzt, weil ich es mal wieder übertrieben habe (ja, ich spreche mit dir, ehrgeizige „Ich-gehe-jeden-Tag-10.000 Schritte-Lady“): Es ist, was es ist.
Oft merke ich meine Anspannung erst, wenn meine innere Stimme mir zuflüstert: Ausatmen.
Manchmal kommt dann auch ein tiefer Seufzer – wie ein kleines Ventil, das sagt: „Endlich! Ich kann loslassen.“
Und in diesem Moment landet er – fast wie von selbst – in meinem Herzen: „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“
Dann wird’s stiller. Weicher. Wohliger.
Für mich ist genau das der Schlüssel zum Glück:
Mein Leben annehmen – mit allem, was da ist.
Ohne direkt eine Meinung darüber zu haben.
Und wenn ich das schaffe, wird jeder einzelne Moment… ein bisschen leichter.
Kennst du das auch?
