Was geschieht in einer Lesung?

Was geschieht in einer Lesung?

Eine Lesung im morphischen Feld ist kein „Orakel“ und keine Vorhersage. Vielmehr geht es darum, das eigene innere Wissen sichtbar zu machen – jenes stille Wissen, das im Alltagslärm oft überhört wird.

Wenn ich lese, folge ich einer inneren Spur. Manchmal zeigt sie Abzweigungen, manchmal führt sie direkt zu einem Kern, der glasklar hervortritt.

Eine Lesung ist für mich wie ein Tauchgang in eine andere Sphäre. Zeit und Raum treten in den Hintergrund, und es öffnet sich eine Welt voller Bilder, Empfindungen und Botschaften.

Ich bin nicht diejenige, die sie erschafft – sie fließen durch mich hindurch. Ich bin Empfangsstation und Übersetzerin zugleich.

Meine Aufgabe ist es, auszusprechen, was sich zeigen möchte.

In diesen Momenten nehme ich Farben, Situationen und Szenerien wahr, so lebendig, dass ich sie mit allen Sinnen erfahre: Ich sehe, höre, rieche, spüre. Manchmal bekomme ich Gänsehaut, manchmal fließen Tränen – nicht meine eigenen.

Es entsteht eine Resonanz, die tiefer geht als Worte.
Oft entsteht während einer Lesung ein Gefühl von Erleichterung: die Erkenntnis, dass alles bereits im Werden ist. Dass es gar nicht um „richtig oder falsch“ geht, sondern darum, der ureigenen Spur zu folgen.

Auch Umwege gehören dazu. Denn das Leben ist nicht geradlinig – das Glück liegt auf dem Weg.

Am Ende einer Lesung entsteht oft eine tiefe Stille. Eine Stille, die das Gesagte ehrt und integrieren lässt.

Comments are closed.